István Orosz – Meister der Illusion

Corner House

Plakatkunst und Plakatkünstler, hauptsächlich aus dem osteuropäischen Raum, faszinieren mich seit ich mich das erste Mal näher mit Osteuropa auseinandergesetzt habe. Der Polnische Film und das klassische Polnische Plakat, ob zu heimischen oder ausländischen Filmen, haben es mir dabei besonders angetan. Stil und Form unterscheiden sich stark, schaffen es aber häufig, dass man zum Nachdenken angeregt wird, indem sie mehr oder weniger subtil und abstrakt, manchmal auch gewagt, Themen und Fragen eines Films aufgreifen, was viele Plakate, denen man heutzutage in Kinos begegnet, vermissen lassen. Manchmal sind es aber auch „nur“ wunderbare, intelligente graphische Ideen, deren Umsetzung herrlich simpel erscheint oder eine außergewöhnliche Motivwahl, die diese Plakate auszeichnen. Generell heben sich künstlerisch gestaltete Plakate angenehm von der Masse der Fließbandproduktionen ab, auf denen bloß ein Screenshot des Films zu sehen ist. Erst recht, wenn sie erfrischend, innovativ, kreativ und eigen sind. Im Kino Světozor in Prag konnte ich schon mehrmals die Plakate verschiedener Künstler bewundern, die dort im Café und den Räumlichkeiten vor den Sälen an den Wänden hängen.

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Plakate waren es dann auch, die meinen Blick auf das vielseitige künstlerische Werk des ungarischen Graphikers, Malers und Animationsfilmemachers István Orosz lenkten. In seinen Grafiken, Radierungen und Filmen spielt er mit den Perspektiven und täuscht dabei die Sinne. Viele seiner Bilder sind doppelbödig und lassen verschiedene Deutungen zu. Ganz besonders beeindruckt haben mich zwei seiner Animationsfilme, „Mind the Steps“ (Vigyázat lépcső!) aus dem Jahr 1989 und „Time Sights“ (Az idő látképei), 2004.

Außergewöhnlich fand ich beim folgenden Film in erster Linie nicht nur das Visuelle, sondern die Vertonung. Trotz der fremden Sprache, hinterlässt der Kanon der männlichen und weiblichen Stimmen (es müssten 4 Sprecher, 2 männliche und 2 weibliche sein), die dann zwischendrin „die Seiten“ wechseln und sich kurzzeitig überlagern und bei dem Wort Symmetrie eine ebensolche bilden, einen bleibenden Eindruck. Dank der Übersetzung bei youtube (zum Verständnis unter dem Video bei youtube auf „Mehr anzeigen“ klicken) kann man dann auch einen Sinn darin finden, eine Stimme drückt die Zukunft, die andere die Vergangenheit aus. Mit den entsprechenenden Sprachkenntnissen ist das sicher eine ganz andere Erfahrung, dennoch finde ich das Ergebnis auch ohne solche sehr spannend, hörens- und sehenswert!

Weiterführende Links:
Plakate von István Orosz
Illusionen
Homepage
Blog
Polnische Plakate können unter anderem hier begutachtet und erworben werden:
polishposter.com
pigasus-gallery.de
Datenbank zum Polnischen Plakat

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3 Antworten zu István Orosz – Meister der Illusion

  1. buechermaniac schreibt:

    Danke, dass du uns deine Entdeckungen hier zeigst. Die Filmplakate sind sehr aussergewöhnlich, aber äusserst interessant. Ich staune immer wieder, welche Fantasie in Künstlern steckt. Den Animationsfilm „Mind the steps“ habe ich mir einmal ohne Ton angeschaut, schon nur die Umsetzung von Orosz ist sensationell.

    LG buechermaniac

    • wortlandschaften schreibt:

      Wenn Dich weitere Plakate zu Filmen interessieren, dann empfehle ich Dir einen Blick in die Datenbank oder die beiden Shops. Dort kann man gezielt suchen und stöbern. Nicht jedes Plakat gefällt mir, aber oft sind sie außergewöhnlich und haben etwas, das mich den Blick darauf verweilen lässt. Besonders spannend ist das natürlich, wenn man den Film schon gesehen hat. Die Beispiele in der kleinen Slideshow (das Corner House von István Orosz hat darin nichts zu suchen, lässt sich aber nicht ausschließen, da jedes Artikelbild bei WordPress automatisch in die Slideshow eingebunden wird) sollen die unterschiedlichen Stile illustrieren. Außerdem habe ich Filme gewählt, die ich gesehen habe.
      Das Plakat zu „African Queen“ sieht irgendwie kindlich aus, wie mit Wachsmalkreide auf schwarzen Karton gekritzelt. Meines Erachtens bringt es die von Katharine Hepburn dargestellte Figur, die zu Beginn sehr steif und auf Etikette bedacht ist und sich dann mit dem ungehobelten Dampferkapitän (Humphrey Bogart) arrangieren muss, sehr gut zum Ausdruck. Mir hat das ein Schmunzeln entlockt. Bei „Die schwarze Narzisse“ finde ich es bemerkenswert, dass mit Jean Simmons eher eine Nebendarstellerin, zugegeben eine sehr hübsche, auf dem Plakat gelandet ist. Wunderschön finde ich das Plakat zu „Picnic at Hanging Rock“ (dt.: Picknick am Valentinstag), einem australischen Film von Peter Weir. In dem Film verschwinden drei Mädchen spurlos bei einem Schulausflug. Der Felsen, den das Mädchen auf dem Plakat hält, sieht für mich nach dem Ayers Rock aus, vielleicht ist es aber auch der titelgebende Hanging Rock.

      Man könnte viel zu den einzelnen Plakaten schreiben, ich will es mal dabei belassen. Schön, dass Dir „Mind the steps“ auch gefallen hat.

      Viele Grüße

  2. buechermaniac schreibt:

    Das Plakat von Peter Weirs Film habe ich mir noch einmal angeschaut, es ist wirklich wunderschön, sehr zart. Den Film habe ich gesehen. Nicht bei allen Plakaten habe ich mich auf den Titel konzentriert, aber die meisten Filme habe ich irgendwannd mal gesehen.

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