Literatur auf Reisen

Gestern saß ich für einige Stunden im Zug, wie das alle paar Monate der Fall ist. Die Bahn war fast pünktlich und die Reisenden wie gewöhnlich bunt gemischt und noch gut gelaunt, so zumindest mein Eindruck. Auf Fernreisen habe ich immer mindestens ein Buch dabei, meistens aber mehrere. Sobald das Gepäck verstaut und der Platz eingenommen wurde, greife ich mir mein Buch, sofern ich nicht noch Schlaf nachzuholen habe. An lange Unterhaltungen mit Mitreisenden kann ich mich zwar noch erinnern, doch bedurfte es auch da manchmal eines besonderen Ereignisses als Auslöser, wie dem gemeinsamen Warten auf einen Anschlusszug. Außerdem weiß man ja nie, wer einem bei der Platzreservierung zugelost wird und so ist es natürlich immer Zufall, ob man einen redseligen oder in sich gekehrten Menschen zum Nachbar hat. Es kann ja auch viele Nerven kosten, wenn man sich nicht sympathisch ist und einer von beiden das nicht bemerkt. Ob aus Liebe zur Musik oder einfach um solche Situationen gar nicht zur Entstehung kommen zu lassen, sitzen dann auch viele Leute mit Kopfhörer an ihrem Platz. Verständlich, denn es kann schon ein Segen sein, störende Nebengeräusche, wie penetrantes Schnarchen, auszublenden.

Gestern war dies glücklicherweise nicht der Fall und trotzdem war kurz vor dem Ziel die Langeweile groß. Für das Weiterlesen des Buches fehlte die nötige Konzentration – der Geräuschpegel im Wagon war sehr sprunghaft – so dass ich meine Ohrhörer in den Sitz stöpselte um das Bordprogramm zu testen. Ich muss gestehen, dass ich das wohl vor 15 Jahren das letzte Mal gemacht habe. Die Kanäle waren schnell durchgeklickt und ich blieb am Literaturkanal 4 hängen. „Auf die Spitze geschrieben – Tiere im historischen Feuilleton“ lautet das Thema für den Januar. Zum Programm gehören Erzählungen von Joseph Roth, Victor Auburtin, Kurt Tucholsky, Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz. Schöne Texte, von denen mir besonders „Der Löw‘ ist los“ von Kurt Tucholsky im Gedächtnis geblieben ist.

Keine neue Sache, aber ein Angebot, was ich bisher nie wirklich wahrgenommen habe. In Zukunft werde ich da sicher das ein oder andere Mal reinhören.

Weiterführende Links:
Literaturkanal 4 der Bahn
Text zu „Der Löw’ ist los“, Kurt Tucholsky
Die anderen Texte warten sicher auch irgendwo in den Weiten des Netzes. Bei der Suche bin ich auf eine Seite aufmerksam geworden, die kostenlose Hörbücher zu klassischen und zeitgenössischen Autoren zur Verfügung stellt, professionell gesprochen:
Vorleser.net
Von Amateuren gesprochen:
vorleser-amateure.de.vu

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2 Antworten zu Literatur auf Reisen

  1. vielleichtsagerin schreibt:

    als pendlerin lese ich „mobil“, wo das monatliche literaturprogramm von hans sarkowicz sehr schön und witzig vorgestellt wird. reinhören konnte ich bislang leider nicht. aber danke für den tipp!

    • wortlandschaften schreibt:

      „mobil“ nehme ich beim Reisen mit der Bahn auch ab und zu in die Hand, sofern es noch am Platz ist. Das Angebot muss ich wohl bisher überblättert haben, jedenfalls bin ich nicht auf die Idee gekommen, es zu nutzen. Jetzt bin ich dahingehend ja sensibilisiert, so dass mir das in Zukunft sicher nicht so leicht verborgen bleibt.

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